{"id":93750,"date":"2025-03-01T06:20:23","date_gmt":"2025-03-01T05:20:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturvision-aktuell.de\/?p=93750"},"modified":"2025-03-10T06:05:18","modified_gmt":"2025-03-10T05:05:18","slug":"baerbel-reetz-meret-oppenheim-tannerhof-bayrischzell-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test.kulturvision-aktuell.de\/?p=93750","title":{"rendered":"Fr\u00fchst\u00fcck im Pelz und surrealistische Gedichte"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: grey;\"><em>B\u00e4rbel Reetz liest im Tannerhof aus ihrem neuen Buch. Foto: CS<\/em><\/span><\/p>\n<blockquote><p>Lesung in Bayrischzell<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die pelz\u00fcberzogene Tasse von Meret Oppenheim kennt jeder Kunstliebhaber. Sie geh\u00f6rt zu den ikonischen Werken des Surrealismus. Die Germanistin B\u00e4rbel Reetz stellt im Tannerhof ihre neue Biografie der K\u00fcnstlerin vor &#8211; und r\u00fcckt ihr literarisches Werk in den Mittelpunkt. <\/strong><\/p>\n<p>B\u00e4rbel Reetz ist keine Kunsthistorikerin, sondern Germanistin und Literaturwissenschaftlerin. Insofern mag es zun\u00e4chst \u00fcberraschen, dass die Autorin sich an eine Biografie von Meret Oppenheim herangewagt hat. &#8222;Ich komme eigentlich vom Wort&#8220;, erz\u00e4hlt die renommierte Autorin im Gespr\u00e4ch mit KulturVision im sch\u00f6nen Tannerhof in Bayerischzell. Neben Romanen wie &#8222;Die russische Patientin&#8220; und &#8222;Lenins Schwestern&#8220; schrieb sie auch zahlreiche biografische Werke. So wie etwa \u00fcber den Dadaisten Hugo Ball und seine Frau Emmy Ball-Hennings sowie \u00fcber Hermann Hesses Frauen.<\/p>\n<p>Bereits 1972 keimte bei B\u00e4rbel Reetz das Interesse an der deutsch-schweizerischen K\u00fcnstlerin Meret Oppenheim auf: Bei einer Surrealismus-Ausstellung im M\u00fcnchner Haus der Kunst sah sie sechs Werke von ihr. Als die Autorin dann sp\u00e4ter in New York im Museum of Modern Art vor der pelz\u00fcberzogenen Tasse von Oppenheim stand, deren offizieller Titel &#8222;D\u00e9jeuner en fourrure&#8220; lautet, war es um sie geschehen. &#8222;Donnerwetter&#8220;, beschreibt die 83-j\u00e4hrige Autorin ihre Reaktion von damals.<\/p>\n<h2>Meret Oppenheim wurde zur Muse der Surrealisten<\/h2>\n<p>Meret Oppenheim, die 1913 in Charlottenburg als Tochter eines deutschen Arztes und einer Schweizerin geboren wurde, ging bereits mit 18 Jahren nach Paris. Dort fasste sie schnell Fu\u00df und traf K\u00fcnstler wie Alberto Giacometti, Hans Arp und Max Ernst, mit dem sie eine Liebesbeziehung anfing. Auch mit Andr\u00e9 Breton, dem Schriftsteller und wichtigsten Theoretiker des Surrealismus, war sie befreundet.<\/p>\n<p>Durch die kunstvollen Aktfotos, die der amerikanische Fotograf Man Ray von der sch\u00f6nen jungen Frau schoss, avancierte Meret Oppenheim zur Muse der Surrealisten. Doch diese Rolle gefiel ihr nicht, denn sie war eine eigenst\u00e4ndige K\u00fcnstlerin und schuf in dieser Zeit zahlreiche Zeichnungen, Grafiken und Objekte &#8211; wie etwa die ber\u00fchmte Pelztasse.<\/p>\n<h2>\u00dcber Hermann Hesse zu Meret Oppenheim<\/h2>\n<p>Dass sie jemals \u00fcber Meret Oppenheim schreiben w\u00fcrde, h\u00e4tte B\u00e4rbel Reetz trotz ihrer Begeisterung nicht gedacht. Als sie auf Bitten des legend\u00e4ren Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld den Briefwechsel Hermann Hesses mit seinem engen Freund Hugo Ball und dessen Frau herausgeben sollte, tauchte w\u00e4hrend der Sichtung des Materials immer wieder ein Name auf: Meret Oppenheim.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-93752\" src=\"https:\/\/www.kulturvision-aktuell.de\/wp\/kulturvision-tes\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bild2_BaerbelReetz.jpg\" alt=\"Meret Oppenheim\" width=\"608\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/test.kulturvision-aktuell.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bild2_BaerbelReetz.jpg 608w, https:\/\/test.kulturvision-aktuell.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bild2_BaerbelReetz-400x249.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 608px) 100vw, 608px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: grey;\"><em>B\u00e4rbel Reetz signiert ihre B\u00fccher bei der Lesung im Tannerhof. Foto: CS<\/em><\/span><\/p>\n<p>Kein Wunder, denn sie war die Nichte von Hesses zweiter Frau, Ruth Wenger. Die Familie Wenger besa\u00df ein Ferienhaus in Carona, einem kleinen, verschlafenen Dorf oberhalb von Hesses Wohnort in Montagnola im Tessin. Dort, im Haus der Gro\u00dfeltern in Carona, der Casa Costanza, verbrachte Meret von Kindesbeinen an ihre Sommerferien.<\/p>\n<h2>Gedichte von Meret Oppenheim als Legitimation f\u00fcr die Biografie<\/h2>\n<p>&#8222;Irgendwann stie\u00df ich auch auf die Gedichte von Meret Oppenheim&#8220;, erz\u00e4hlt B\u00e4rbel Reetz weiter. &#8222;Da dachte ich, jetzt finde ich den Faden, wie ich mich ihr ganz neu n\u00e4hern kann&#8220;, erz\u00e4hlt sie. Sie sp\u00fcrte dadurch so etwas wie eine Legitimation, das Ganze in eine Zusammenschau zu bringen. Oppenheims lyrisches Werk, ihre surrealen Gedichte sowie ihre Traumprotokolle faszinierten die Autorin.<\/p>\n<p>Im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern sichtete sie den schriftlichen Nachlass der K\u00fcnstlerin, die 1985 in Basel starb. &#8222;Briefe, Manuskripte und Tausende von wundervollen Fotos liegen dort&#8220;, erz\u00e4hlt B\u00e4rbel Reetz. \u00dcber eine Freundin kam sie zudem noch in Kontakt mit der Familie Wenger in Carona. Also den noch lebenden Verwandten von Meret Oppenheim, die ihr Vorhaben, eine Biografie zu schreiben, unterst\u00fctzten.<\/p>\n<h2>Meret Oppenheims Kindheit in strengen Internaten<\/h2>\n<p>Im Leseraum des Tannerhofs ist schon jeder Platz belegt, als B\u00e4rbel Reetz am vergangenen Donnerstag um 20 Uhr eintritt. Sie setzt sich in einen Holzsessel und holt ihr Buch hervor, aus dem viele bunte Papiermarkierungen herausragen.<\/p>\n<p>Mit sanfter Stimme und wunderbarer Sprache liest sie aus dem Kapitel vor, das die harte Kindheit und Jugend von Meret Oppenheim beschreibt. Denn aufgrund von schulischen Schwierigkeiten steckten sie die Eltern in strenge Internate. &#8222;Die Tage sind wie Kaugummi, sie schmecken so langsam&#8220;, schrieb sie einmal nach Hause.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-93753\" src=\"https:\/\/www.kulturvision-aktuell.de\/wp\/kulturvision-tes\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bild3_BaerbelReetz.jpg\" alt=\"\" width=\"607\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/test.kulturvision-aktuell.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bild3_BaerbelReetz.jpg 607w, https:\/\/test.kulturvision-aktuell.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bild3_BaerbelReetz-400x284.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 607px) 100vw, 607px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: grey;\"><em>Drei Jahre hat B\u00e4rbel Reetz an ihrem Buch \u00fcber Meret Oppenheim gearbeitet. Foto: CS<\/em><\/span><\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt der Lesung sind einige Gedichte, die B\u00e4rbel Reetz vortr\u00e4gt und biografisch einordnet: &#8222;Oh gro\u00dfe R\u00e4nder an meiner Zukunft Hut, wie sprie\u00dfen die Blumen &#8230;&#8220; gie\u00dft Meret Oppenheim etwa ihre euphorischen Gef\u00fchle in Worte, als sie ihren sp\u00e4teren Mann, Wolfgang Laroche, kennenlernt. Zweifelsohne ein Lichtblick nach langen Phasen der Depression.<\/p>\n<h2>&#8222;Das hat bisher noch nie jemand gemacht&#8220;<\/h2>\n<p>Drei Jahre hat B\u00e4rbel Reetz an ihrer detaillierten Biografie \u00fcber Meret Oppenheim gearbeitet, die im vergangenen Oktober erschienen ist. Die m\u00fchsame Puzzlearbeit hat sich gelohnt: &#8222;Diese Zusammenschau aller k\u00fcnstlerischen M\u00f6glichkeiten, die sie ausgesch\u00f6pft hat, das hat bisher noch nie jemand gemacht&#8220;, betont die Autorin. Material h\u00e4tte sie f\u00fcr ein doppelt so dickes Buch gehabt. Ganz gewiss w\u00fcrde es die Leser genauso fesseln wie das Jetzige.<\/p>\n<div class=\"arconix-box arconix-box-lblue\"><div class=\"arconix-box-content\">Das Buch von <a href=\"https:\/\/www.baerbelreetz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00e4rbel Reetz<\/a> &#8222;Meret Oppenheim. Wandlungen&#8220; ist im Oktober 2024 beim Verlag r\u00fcffer &amp; rub erschienen. Es umfasst 280 Seiten und kostet 36 Euro. ISBN 978-3-907351-26-0<\/div><\/div>\n<p><strong>Zum Weiterlesen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.kulturvision-aktuell.de\/lesung-cornelia-oelwein-stielerhaus-tegernsee-2025\/\">Verschm\u00e4hte Sch\u00f6nheiten und verschollene Bilder<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die pelz\u00fcberzogene Tasse von Meret Oppenheim kennt jeder Kunstliebhaber. Sie geh\u00f6rt zu den ikonischen Werken des Surrealismus. Die Germanistin B\u00e4rbel Reetz stellt im Tannerhof ihre neue Biografie der K\u00fcnstlerin vor &#8211; und r\u00fcckt ihr literarisches Werk in den Mittelpunkt. <\/p>\n","protected":false},"author":127,"featured_media":93751,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[109,134,6055,138],"tags":[6066,643],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.8.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Fr\u00fchst\u00fcck im Pelz und surrealistische Gedichte - KulturVision e.V.<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Die Germanistin B\u00e4rbel Reetz stellt im Tannerhof ihre neue Biografie \u00fcber Meret Oppenheim und ihr literarisches Werk vor.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"noindex, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Fr\u00fchst\u00fcck im Pelz und surrealistische Gedichte - 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