Eine poetische Wanderung mit Jürgen Fiege

Cover des Buches. Foto: MZ

Mit dem Bildband „Eine Wanderung in meinem Zaubergarten“ legt der Sauerlacher Grafiker, Zeichner und Kalligraf Jürgen Fiege eine zauberhafte Wanderung mit dem Pinsel vor, die er durch handgeschriebene Worte ergänzt.

Erstmals hat sich Jürgen Fiege allein auf den Weg gemacht, seine Gedanken künstlerisch niederzulegen. Bislang waren er und Peter Reuter als Tusche und Feder ein kongeniales Paar, das sich in seinen Arbeiten in Bild und Wort fabelhaft zusammenfügte.

Lesetipp: Lebenslängliche Miniaturen

Peter Reuter hat seinem Freund nun am Ende des Buches einen Dank für die Einladung, diesen Garten besuchen zu dürfen, geschrieben und bescheinigt dem Zeichner Jürgen Fiege: „Es sind Miniaturen deiner Seele, so schreibst du. Du bist ein Schreiber.“ Und „Die Leserin, der Leser – sie dürfen entdecken, sich selbst treffen, in deinen Gedanken baden, sich freuen und Hoffnung lernen.“

Jürgen Fiege
Jürgen Fiege. Foto: privat

Hoffnung lernen, das ist es, was am Ende dieses Jahres Not tut. Eine Wanderung durch den Zaubergarten von Jürgen Fiege führt zu seinen Kraftorten und liest sich wie ein Tagebuch in Bild und Wort.


Unverschlossen. Foto: Jürgen Fiege

Der Künstler startet mit dem Bekenntnis, er sei ein Höhlenmensch und suche nach dem Ausgang. Diesen gefunden öffnet sich die Landschaft mit roten Wolken und eine Baumgruppe, mit dem Sound der Natur. Ein schamanischer Priester tanzt auf der Lichtung.


Sound der Natur. Foto: Jürgen Fiege

Die Pinselzeichnungen ergänzt der Sauerlacher mit poetischen Worten etwa, dass er im Park sitzend beobachtet, wie Wörter von den Bäumen fallen und sich am Boden zu Gedichten formen. Dazu hinterlasse sein Pinsel eine Tuschespur, die das Wesentliche, Unsagbare sichtbar machen möchte. Er wünsche sich, dass der Betrachter diese seine Gedanken weiterdenke.

Jürgen Fiege
Freude am Leben. Foto: Jürgen Fiege

Mit dieser Einladung begibt sich die Betrachterin auf den Weg, vorbei an Wasserläufen, über eine Brücke, von der aus den Fischen zugeschaut werden kann, denn sie bedeuten Freude am Leben, hin zu einem Hügel.

Tor zu neuen Ideen

Jürgen Fiege erklärt, warum er Kalligrafie als Werkzeug benutzt. Er wolle damit den Moment eines geistigen, emotionalen, seelischen Zustandes festhalten, sagt er, denn Kalligrafie könne ein Tor zu neuen Ideen, Alternativen, anderem Denken öffnen. „Meine Gedanken erhalten durch den Pinsel einen Körper“, sagt er.


Es gibt Wege. Foto: Jürgen Fiege

Diese Körper lässt er tanzen, in eine bessere Zeit, bis in die Ekstase, bis in den Himmel und tanzen in ihre Liebe. Holprig sei sie zuweilen, die Wanderung in den Zaubergarten, sagt der Autor. Holprig aber nur dann, wenn es nicht gelingt, sich auf die Seelenreise einzustellen, es nicht gelingt, sich freizumachen von Normen und dem Üblichen.

Eine labende Inspiration

Gelingt es aber, dann ist dieses Buch eine labende Inspiration, dann kann sich die Wandernde erquicken am bewölkten Himmel, an tanzenden Blättern, blühenden Mohnfeldern. Sie verschließt aber nicht die Augen vor verlorenen Familien und leeren Booten im Mittelmeer.

Jürgen Fiege
Land der Zeichen. Foto: Jürgen Fiege

Jürgen Fiege erzählt, wie er in China und Japan lernte, Zeichen und Schriftsprache zu verstehen, wie er lernte, dadurch seine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Mit einer bunten Fahne, im Wind flatternd schreibt er seine Wünsche so nieder: Friede, Gesundheit, Freude, Glück, Weisheit und Achtsamkeit.

Braucht uns die Natur?

Und wandert weiter vorbei an tanzenden Kindern, an einem Fremden und gar an einem roten Haus auf einem Ast und fragt sich: Braucht uns die Natur überhaupt? Er beobachtet Menschen, die auf den falschen Weg abgebogen sind und keine Verantwortung mehr übernehmen, aber auch Menschen, die beisammen sind und Nähe spüren wollen.

Jürgen Fiege
Grosser Vogel. Foto: Jürgen Fiege

Das Buch ist eine poetische Einladung, mitzuwandern in den Zaubergarten, der aber kein Garten Eden ist, sondern neben der Helle, Weite und Schönheit Schatten beherbergt. Und dennoch, die Wanderung verbreitet Hoffnung. So wie es Peter Reuter in seinen Schlussworten in Form eines Haiku sagt:

Der Pinsel tanzt
die bessere Zeit
Verbundenheit.

„Eine Wanderung in meinem Zaubergarten“ von Jürgen Fiege ist erschienen in der Edition Maya.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf