Kulturstammtisch

Kulturstammtisch: Jugendliche sind willkommen

Selina Benda und Girgl Ertl. Foto: MZ

Kulturstammtisch in Weyarn

Der erste Kulturstammtisch für den Landkreis Miesbach in der WeyHALLA stand ganz im Zeichen der Jugendkultur. Die Teilnehmenden entwickelten Ideen, wie Jugendliche in das kulturelle Leben eingeführt und gefördert werden können. Der Stammtisch wird künftig regelmäßig stattfinden.

Es war ein Schnellschuss von KulturVision e.V. nach den Sommerferien und erwartungsgemäß war die Teilnahme mit zehn Personen noch nicht üppig. Der kleine Kreis aber ermöglichte einen intensiven Austausch. Der neue Stammtisch möge neue Ansätze in der Kulturarbeit und Vernetzung bringen. Er solle aber keine Konkurrenz zum etablierten Runden Tisch sein, betonte Sibylle von Löwis, die seit zwei Jahren das Vernetzungsinstrument der kommunalen Kulturbeauftragten bei KulturVision leitet. Aber der Runde Tisch könne dazu dienen, den neuen Stammtisch in den Kommunen bekanntzumachen.

Kulturstammtisch
Sibylle von Löwis, Birgit Halmbacher (v.l.). Foto: MZ

Er wird künftig alle zwei Monate am dritten Montag um 17 Uhr in der WeyHALLA stattfinden, das nächste Mal also am 21. November. Der Kulturstammtisch solle Kulturschaffende, Veranstalter und Kulturinteressierte zusammenführen, um Wünsche, Bedürfnisse und Defizite der Kulturszene im Landkreis zu erfassen und Lösungsansätze zu erarbeiten.

Ein Defizit sei, sagte Girgl Ertl, dass insbesondere Nachwuchsbands Foren suchen, wo sie sich treffen und austauschen können. Der Musiker und Wirt der WeyHalla hatte kürzlich im Waitzinger Keller das Newcomer-Festival moderiert und dabei festgestellt, dass es nötig sei, einen Pool als kontinuierliche Einrichtung zu generieren, in dem sich der Nachwuchs austoben könne. Das könne ein Onlineforum sein.

Marktplatz für die Jugend

Selina Benda stimmte Girgl Ertl zu. „Junge Künstler fühlen sich nicht abgeholt von der Kulturszene, die ist ihnen zu elitär.“ Die Autorin von KulturVision gründete das Format „Die Jungen Wilden“, in dem sie Nachwuchskulturschaffende porträtiert. „Sie sind immer sehr überrascht, wenn ich auf sie zukomme.“ Dabei habe sie erfahren, dass der Nachwuchs ein Netzwerk braucht, an das er sich zwecks Probenräume, Werkstätten oder Auftrittsmöglichkeiten wenden könne. „Man muss sie an die Hand nehmen.“

„Wir müssen ihnen signalisieren, dass sie willkommen sind“, sagte die Journalistin. Am besten sei eine Art Marktplatz auf der Webseite von KulturVision, kombiniert mit einer App, wo Jugendliche ihre Wünsche formulieren können, meinte Agnes Wieser. Die junge Künstlerin betreut bei KulturVision Social Media.

Zukunftslabs
Die Organisatoren des Poetry Slams: Sarah Thompson, Lisa Horn und Fiona Eder. Foto: Oliver Lawrenz

Sibylle von Löwis informierte, dass es ja bei KulturVision schon die von Sarah Thompson betreute Jugendsparte mit dem Poetry Slam gebe, „da müssen wir draufsatteln“. Auch der Science Slam im Rahmen der Initiative „anders wachsen“ sei ein tolles Format für Jugendliche, ergänzte Manfred Zick, alias Zither-Manä. „Wir müssen die jungen Leute hier an diesen Tisch bringen.“

Abitur
Elisa Pfleger beim Science Slam 2020. Foto: Petra Kurbjuhn

Wichtig aber sei zunächst, so ergab die lebhafte Diskussion, dass Jugendliche überhaupt das umfangreiche Angebot von KulturVision kennenlernen, das neben Poetry und Science Slam auch das neue Pecha kucha Format, erfolgreich im Juli erstmals präsentiert, enthält, sowie die Kulturbörse, mit der Kulturschaffende für Veranstaltungen vermittelt werden. Dazu soll in einem ersten Schritt auf der Startseite die Jugendkultur präsentiert werden.

Kulturstammtisch
Agnes Wieser, Zither-Manä und Becky Köhl. Foto: MZ

„Wir sollten uns an den Projekttagen der Schulen beteiligen“, schlug Becky Köhl, 2. Vorsitzende von KulturVision vor. Dem stimmte Agnes Wieser zu, die als Berufsberaterin tätig war. Man könne auch Angebote für das Freiwillige Soziale Jahr abgeben, Praktika anbieten und an Elternabenden teilnehmen. Man möge sich insbesondere an die Realschulen wenden, schlug Birgit Halmbacher von der Stadt Tegernsee vor, weil diese Jugendlichen dem Landkreis länger erhalten blieben als Gymnasiasten. Sie wies auch darauf hin, dass Vereinstätigkeit für Jugendliche wenig attraktiv sei und man andere Wege der Kommunikation finden müsse.

Amelie Knaus vom Kulturzentrum Waitzinger Keller Miesbach schlug vor, dass geeignete Multiplikatoren für die Jugendarbeit ins Boot geholt werden sollen. Sie sollen zum nächsten Stammtisch eingeladen werden.

„Kultur ist Bittsteller“

Ein zweites Thema, das ebenso beim nächsten Stammtisch Thema der Diskussion sein wird, brachte Selina Benda auf den Tisch. „Kultur ist immer ein Bittsteller, wir betteln um Aufmerksamkeit und um Geld.“ Seit Jahren erlebe sie in Gemeinderatssitzungen, dass für andere Vereine viel Geld zur Verfügung gestellt werde, die Kultur aber hintenanstehe. „Die Kultur obliegt dem Landkreis“, informierte Sibylle von Löwis. „Über die Kreisumlage sind die Kommunen daran beteiligt.“

Dennoch, so betonte Girgl Ertl, fehle die Sichtbarkeit und die Wertigkeit der Kultur. „Wir müssen in die Jugend investieren und damit auch deren Eltern und das Leben im Landkreis für die Kultur voranbringen.“

Der nächste Kulturstammtisch findet am Montag, 21. November um 17 Uhr in der WeyHALLA statt. Die Organisatoren freuen sich über aktive Mitgestalter.

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