Lallinger ermittelt Krimidinner Neukirchen

„Lallinger ermittelt“ beim Krimidinner Neukirchen

Beim Krimidinner „Lallinger ermittelt“ im Landgasthof Neukirchen ist das Publikum mittendrin statt nur dabei. Foto: Selina Benda

Krimidinner Neukirchen

Ein Mord mit Ansage und ein Kommissar, dem ein alter Fall zum Verhängnis wird – mit dem Stück „Lallinger ermittelt“ wagt die Theatergruppe des Trachtenvereins Neukirchen nicht nur einen Schritt auf Neuland, sondern auch von der Bühne hinunter mitten ins Publikum.

Bereits seit 1920 spielt die Laienbühne jährlich im Saal des Landgasthofs Neukirchen. Eine lange Tradition, die etwa mit dem historischen Stück „Ums heilige Landl“ – welches alle zehn Jahre auf die Bühne gebracht wird – ein steter Besuchermagnet ist. So auch in diesem Jahr wieder: Der Neukirchner Saal war bei der Premiere von „Lallinger ermittelt“ voll besetzt und das, obwohl in diesem Jahr eben kein klassisches Theater auf das Publikum wartete. Denn das Dreierteam um Lena Rummel, Maria Gast und Sabine Grabmaier, welches seit 2018 die Theaterleitung und Regie in Weyarn inne hat, wagte sich vergangenen Freitag an ein Krimidinner.

Krimidinner im Landgasthof

Lallinger ermittelt
Michael Stacheder spielt den Kommissar Lallinger, Marinus Waldschütz das Opfer Willibald Böckl. Foto: Selina Benda

Darin wird der Polizeikommissar Lallinger (Michael Stacheder) von einem mysteriösen Phantom an der Nase herum geführt. Denn der sehr von sich selbst überzeugte Ermittler erhält einen anonymen Tipp, dass am Abend beim Theater in Neukirchen ein Mord geschehen wird. Mit dem Polizeimeister Geißberger (Sepp Fuchs) stürmt er zwischen den Gängen den Saal, um die Leute vor Ort zu beruhigen, dass alles unter Kontrolle wäre. Doch zu seinem Leidwesen, passiert der Giftmord genau vor den Augen der beiden unbeholfenen Dorfpolizisten. Marinus Waldschütz als getöteter Willibald Böckl hatte somit zunächst nur ein kurzes Gastspiel. Mit Stacheder und Fuchs setzt die Theaterleitung auch in diesem Jahr wieder auf zwei erfahrene Laienspieler, die vor allem die vorher nicht planbare Interaktion mit dem Publikum zu meistern wussten. Sepp Fuchs stellt dabei wieder einmal seinen Grundwitz unter Beweis, der ihm so manchen Lacher bescherte.

Mittendrin statt nur dabei

Theater Neukirchen
Lena Rummel spielt die naive Bedienung Rosi Neuschmied. Foto: Selina Benda

Lena Rummel schlüpft in diesem Stück in die Rolle der etwas naiven Bedienung Rosi Neuschmied, die natürlich sofort für allerhand Befragungen durch die Polizisten herhalten muss. Auch Rummel merkt man ihre langjährige Theatererfahrung an und mit kecken Bemerkungen in Richtung der Zuschauer zieht sie das Publikum schnell auf ihre Seite. Diese wird während der gesamten Aufführung immer wieder in die teilweise chaotischen Ermittlungsarbeiten mit eingebunden, muss Hilfssheriff spielen, Fragen beantworten und wird an mancher Stelle mit in den Kreis der Verdächtigen einbezogen. Unter ihnen etwa auch Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr, der nur knapp dem schauspielerischen Tod entkommt. Denn auf seinem Platz sitzt dann der Journalist Johannes Baer, gespielt von Sepp Hatzl.

Lallinger in Bedrängnis

Neukirchner Theater
Der Journalist Johannes Baer wird von Sepp Hatzl gespielt (l.). Foto: Selina Benda

Das Phantom nutzt den Reporter als Sprachrohr, um dem Kommissar Lallinger erneut Botschaften zukommen zu lassen. Denn ein rotes Kreuz unter dem Bierdeckel eines Gastes kündigt den nächsten Mord an. Den Rathauschef in Sicherheit gebracht, muss dann der Journalist auf dessen Platz sein Leben lassen. Denn als es plötzlich stockdunkel im gesamten Saal wird und nur ein Schrei zu hören ist, liegt Baer erstochen auf dem Tisch. Den Polizisten wird allmählich klar, dass der Mörder im Publikum sitzen muss und die humorvolle Suche geht weiter. Immer wieder rückt auch die Bedienung Rosi ins Blickfeld von Lallinger und Geißberger, doch all das wird beim nächsten Hinweis des Phantoms zunichte gemacht. Denn als der Hausmeister (Georg Zinsbacher) ein mysteriöses Paket, adressiert an den Kommissar, übergibt, spitzt sich die Lage zu.

Eine Bombe und ein alter Bekannter

Lallinger ermittelt
Am Ende kommt alles ganz anders als erwartet. Foto: Selina Benda

Denn nach der Dinnerpause – welche von der Mangfall Musi musikalisch umrahmt wird – droht eine Bombe im Saal zu explodieren und alle Anwesenden in den Tod zu reißen. Panik unter den Ermittlern bricht aus und Lallinger und sein Kollege stolpern nicht zum ersten Mal über ihre schlampige Polizeiarbeit. Die Bombe ist zwar nur eine Attrappe, löst jedoch eine Kettenreaktion an neuen Ereignissen und Erkenntnissen aus und am Ende ist das Phantom ein alter Bekannter des Ermittlers Lallinger, der sich an ihm rächen möchte.

„Vielen Dank, dass Sie sich auf dieses Experiment eingelassen haben“, bedankte sich Maria Gast nach großem Applaus beim Publikum. Das Team der Theatergruppe Neukirchen hat das Wagnis Krimidinner mit viel Improvisationstalent und langjähriger Theatererfahrung auf jeden Fall gut gemeistert.

Lesetipp: Theatergruppe vom Trachtenverein Neukirchen | Lallinger ermittelt oder Essgenuss mit Exitus

Wer wissen möchte, wie sich der Kriminalfall des Neukirchner Theaters – von Markus Scheble und Sebastian Kolb, erschienen im Wilhelm Köhler Verlag – am Ende auflöst, hat am kommenden Wochenende noch die Möglichkeit dazu. Ein paar wenige Restplätze sind zu den Terminen am Freitag, 23.9 und Samstag, 24.9 noch frei. Karten und Infos gibt’s unter www.theater-neukirchen.de.

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