Lisa Mayerhofer

Kunstvoll kombinierte und garnierte „Täglichkeiten“

Horst Hermenau und Lisa Mayerhofer vor „Gerollert“ (v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn

Ausstellung in Holzkirchen

Alles sammeln, alles ordnen, alles verwenden, Alltagsgegenstände und Naturmaterialien neu und ungewohnt kombinieren und leichtfüßig miteinander verbinden, das zeichnet die Miesbacher Künstlerin Lisa Mayerhofer aus. In ihrer neuen Ausstellung in Holzkirchen zeigt sie Arbeiten aus dem letzten Jahrzehnt. Diese einzigartige Werkschau aus faszinierend verwobenen Materialien, die ganz eigene Geschichten erzählen, will staunend betrachtet werden.

Horst Hermenau spannt in seiner Einführung in der Galerie im Autopavillion Steingraber einen kurzen, prägnanten Bogen von den Anfängen der Moderne hin zur Bedeutung des Materialhaften und stellt die Künstlerin als kunstvolle Arbeiterin mit den unterschiedlichsten Materialien vor.

Bemerkenswerte Vita von Lisa Mayerhofer

Monika Ziegler, 1. Vorsitzende von KulturVision e.V, hebt in ihrer Laudatio neben dem Prinzip von Sammeln, Sortieren, Ordnen und Kombinieren der Materialien die „unermessliche Kreativität, das handwerkliche Geschick und die große Geduld und Ausdauer“ von Lisa Mayerhofer hervor. Sie geht auf die bemerkenswerte Vita der Künstlerin ein, die in England und Berlin studierte und Ausstellungen in zahlreichen Ländern und Städten vorzuweisen hat. „Und jetzt ist sie in Holzkirchen.“

Lisa Mayerhofer
Monika Ziegler, im Hintergrund „Eingeklammert“. Foto: Petra Kurbjuhn

Täglichkeiten nennt die aus Bayrischzell stammende Bildhauerin ihre Exponate. Hier jedoch stehen Gebrauchs- und Alltagsgegenstände im Mittelpunkt. Lisa Mayerhofer arbeitet mit Heftklammern, Stecknadeln, Schubladen, Gabeln, Zeichenfedern oder Streichhölzern, mit Papier und Holz und findet ganz eigene Verbindungen mit Samen, Körnern, Blättern, kurzum mit Allem, was die Natur so im Angebot hat.

Gezündelt, Gestiftelt, Gestichelt und Aufgegabelt

So oder ähnlich heißen die ausgestellten Kunstwerke, die nicht unbedingt den Anspruch auf „Ewigkeit“ erheben, wie Lisa Mayerhofer erzählt. Sie liebt es, Installationen zu erstellen, die auch wirklich groß, also mehrere Meter hoch sein dürfen. Sie liebt aber auch die kleinen, filigranen, fast zerbrechlich wirkenden Darstellungen. Sie liebt die Veränderung und sammelt, was ihr in die Finger kommt. Wobei man mit den kleinteiligen Naturmaterialien vorsichtig und pfleglich umgehen und mit einer Pinzette arbeiten sollte.

Lisa Mayerhofer
„Gezündelt“ (Detail). Foto: Petra Kurbjuhn

Das neueste, erst vor einigen Tagen fertig gestellte Exponat heißt „Gezündelt“. Hier hat die Künstlerin in mehreren Arbeitsgängen und Prozessen 7470 Streichhölzer mit Papier und Schafwolle zu einem Teppich verwoben. Dabei wurden die Streichhölzer roh in den Untergrund gesteckt und danach einzeln Feld für Feld abgebrannt. Die unterschiedlichen Streichhölzer brennen unterschiedlich schnell ab und beeinflussen so die Bildstruktur. Zweieinhalb Monate dauerte der Arbeitsprozess. Das Ergebnis jedenfalls ist sensationell.

Lisa Mayerhofer
„Gegabelt“ und „Federlesens“. Foto: Petra Kurbjuhn

Mit Armbanduhr-Federstiften auf Jeanspapier besticht „Gestiftelt“. Wunderbar arbeitet Lisa Mayerhofer mit den einzelnen Materialien unter der Verwendung von Filz und Messingbändern.

Unzählige winzige Stecknadeln setzt sie eng nebeneinander, verbindet sie zu Mustern und Strukturen auf Papier und Mull in Blau und Rot bei ihren „Gestichelt“-Bildern.

Lisa Mayerhofer
„Gestichelt“. Foto: Petra Kurbjuhn

„Aufgegabelt“ im wahrsten Sinne des Wortes werden Gabeln in einer Schublade. Auch hier ist sie wieder, die fast schon elegante, grazile Schönheit im Alltäglichen, die die Betrachtenden in ihren Bann zieht.

Und immer wieder Heftklammern neben wunderbaren Miniaturen und Lunatica

11.000 hat Lisa Mayerhofer für ihr Bild „Eingeklammert“ von 2021 verwendet. Welch gigantische Menge. Welch unvorstellbare Arbeit steckt in diesem 83×183 cm großen Werkstück, welche Ausdauer und Geduld braucht es, um diese Materialmenge zusammenzustellen und zu einem großen Ganzen mit faszinierenden Lichteffekten werden zu lassen. Ein wahrer Hingucker in der Ausstellung.


„Kaffeegsatzl“ III (Ausschnitt). Foto: Petra Kurbjuhn

Ganz anders erscheinen die wunderbaren Miniaturen „Kaffeegsatzl“, bei denen die Künstlerin den täglichen Kaffeesatz sammelt, fotografiert, ordnet und sortiert, akkumuliert und kombiniert. Und was alles Verwendung findet: vom Knoblauchboden über verschiedenste Samen bis zur Walnuss, zarten Palmkätzchen und Eicheln, alles fügt sich hier wundersam zusammen und wird liebevoll garniert. Und im Kaffeesatz kann man wirklich lesen. Sehen Sie Tiere, Gehirnströme oder Bergkuppen? Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Und betrachten Sie auch das Banner mit den 450 Fotografien, die in mehr als drei Jahren entstanden sind.


„Kaffeegsatzl“ I. Foto: Petra Kurbjuhn

Aus drei übereinander liegenden Schichten bestehen die Samenträgerblätter des Silbertalers (Lunaria annua), von denen die Künstlerin die mittlere Schicht für die Gestaltung ihres Werks „Lunatica“ verwendet. Mich erinnern die sich sanft bewegenden, festen Samenteilchen an Fischschwärme, die sich auflösen und doch zusammenhalten. Eine Darstellung, die viel Raum lässt für das eigene Empfinden und das aufmerksame Entdecken von Schönheit.


„Angetanzt“. Foto: Petra Kurbjuhn

Die Ausstellung ist auch eine Einladung zu Geduld und Beharrlichkeit, zu Lebensfreude und Frohsinn, eine Einladung, Altes zu entdecken und mit Neuem zu verbinden. Dabei kann der Betrachtende sehen und spüren, wie es gelingt, oft verborgene, unbeachtete Objekte sichtbar zu machen, miteinander in Einklang zu bringen und neue Kunst zu schaffen.

Die Ausstellung „Täglichkeiten“ von Lisa Mayerhofer im Autopavillion Steingraber in Holzkirchen ist bis einschließlich 04. März 2023 zu sehen. Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–13 Uhr

Zum Weiterlesen: Offene Ateliers in Miesbach

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf