Ludwig Thoma Haus

Heiter-Besinnliches im Ludwig Thoma Haus

Ludwig Thoma Haus. Foto: MH

Musikalische Lesung in Tegernsee

Der Tölzer Schauspieler und Sprecher Klaus Wittmann stellte in der Auftaktveranstaltung seiner Ludwig Thoma-Reihe in dessen Haus „Auf der Tuften“ in Tegernsee Leben und Werk des Heimatschriftstellers vor. In der im Original erhaltenen Bauernstube erzählte und las er am Tisch des ehemaligen Hausherrn heitere und besinnliche Texte. Begleitet wurde Klaus Wittmann von der Boarischen Almmusi mit Manfred Wörnle und Simone und Albert Lahner.

Etwa 30 Personen fanden in der mit einem gemütlichen Kachelofen, bemalten Schränken, einem großen, einladenden Bauerntisch mit Eckbank und Stühlen ausgestatteten Stube bei herrlichstem Frühlingswetter Platz. 182 von Ludwig Thoma selbst erlegte Trophäenstücke zieren die Wände des Zimmers. Alle hat der Hausherr seinerzeit eigenhändig beschriftet und gekennzeichnet. Daneben beeindrucken Familienfotos und ein Gemälde von König Ludwig II.

Ludwig Thoma Haus
Geweihe im Ludwig Thoma Haus. Foto: MH

Genau an diesem Tisch habe Thoma viele seiner Werke und Texte verfasst, erzählt Klaus Wittmann. „Da ist der Genius Loci, der Geist des Ortes, zu spüren.“ Bei der Vorstellung der Boarischen Almmusi würdigt er insbesondere den Zitherspieler Manfred Wörnle, der alle Stücke selbst komponiert und arrangiert hat, als einen Meister der originalen Volksmusik. Simone (Zither) und Albert Lahner an der Kontragitarre komplettieren das Ensemble.


Manfred Wörnle, Simone und Albert Lahner (v.r.). Foto: MH

„Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, zitiert Klaus Wittmann einen Spruch auf einem Instrument. Und genau das empfindet die Zuhörerschaft und gibt sich bereitwillig dem einzigartigen Klang dieser „bärigen“ Musik hin, wie der Moderator sie nennt. „Da geht einem das Herz auf“, raunt es. Und ja, das stimmt bei diesen Kompositionen, die „Fürs Herz“, „Glück auf der Roas“, „Almlüfterl“, „Myrtenkranzl“ oder ähnlich heißen.

Leben und Werk von Ludwig Thoma

In einem kurzen Lebenslauf schildert Klaus Wittmann die ersten Kindheitsjahre des 1867 in Oberammergau geborenen Dichters im Forsthaus Vorderriß an der Isar, den frühen Tod des Vaters, die schwere Erkrankung der Mutter, die die acht Geschwister auseinanderriss, und seinen schulischen Werdegang bis zum Abitur 1886. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in München und Erlangen ließ sich Ludwig Thoma als Rechtsanwalt in Dachau nieder.

Kurzweilig und amüsant, hintergründig und scharfsinnig gelingen dem Dichter seine Geschichten über Bauern, Bürger und Honoratioren, also Dachauer Bürger mit großem Ansehen, die er mit klarem Blick und scharfem Verstand betrachtet und beschreibt. Klaus Wittmann trägt ein umwerfendes Beispiel bäuerlicher Selbstverständlichkeit und Wirtshausleben vor, die ein Advokat so und anders immer wieder zu hören bekommt.


Ludwig Thoma. Foto: MZ

Nach dem Umzug nach München 1897 lernt Ludwig Thoma schnell Mitarbeiter der Wochenzeitschrift Simplicissimus kennen und arbeitet alsbald unter dem Pseudonym Peter Schlehmil als Redakteur für die Zeitschrift. Bis zu seinem Tod im Jahr 1921 verfasst Thoma etwa 800 Beiträge für das Blatt.


Klaus Wittmann. Foto: MH

Klaus Wittmann berichtet, dass Ludwig Thoma wie auch andere Simplicissimusmitarbeiter einige Wochen im Gefängnis Stadelheim verbringen muss. Er hat sich in einem Spottgedicht etwas zu weit gegen seinen „Lieblingsfeind, die Katholische Zentrumspartei“ vorgewagt. Aber auch die bekannten Filserbriefe, der „Briefwechsel eines bayerischen Landtagsabgeordneten“ zeugen von den Angriffspunkten zwischen Klerus und Politik. Wieder gibt es einen heiter-besinnlichen Text aus den Filserbriefen zu hören, der vom Publikum mit befreitem Lachen bedacht wird.

Dreizehn Jahre lebte und verfasste der Dichter in diesem Haus seine wichtigsten Werke, wie die „Heilige Nacht“, das Stück „Moral“, mit dessen Einnahmen er sein Haus finanziert ha,t sowie das Stück „1. Klasse“, das unter seiner Regie in der Überfahrt uraufgeführt wurde.

Der Moderator verschweigt auch nicht die zunehmend kritischen Stimmen, die sich derzeit mit Ludwig Thoma auseinandersetzen. Schließlich hat dieser in seinen letzten Lebensmonaten im Miesbacher Anzeiger üble Schmähschriften gegen Juden, die Regierung und die Kirche verfasst.

Das Leben am Tegernsee

1908 bezog Ludwig Thoma sein Haus „Auf der Tuften 12“, das nach den Plänen seines Freundes Ignaz Taschner erbaut worden war. Mit Blick auf den Wallberg im Vordergrund und den Riederstein auf der der Rückseite liegt das Haus paradiesisch inmitten der Tegernseer Höhenzüge. „Es ist der schönste Platz, den ich im ganzen Land Tegernsee gesehen habe“, preist der Besitzer sein Haus. Kühe wollte er sich anschaffen, Hühner halten und die Seele sich räkeln lassen. Ein einzigartiger, majestätisch gelegener Platz ist die Tuften auch heute noch trotz wilder Bebauung ringsherum. 15 Räume gibt es, 450 Quadratmeter groß, die weite Diele beeindruckt ebenso wie das märchenhafte Biedermeierzimmer und der gigantische Ausblick.


Auf der Tuften. Foto: MH

Dieses Biedermeierzimmer ließ Ludwig Thoma für seine Frau, die philippinische Tangotänzerin Marietta di Rigardo, genannt Marion, errichten. Er baute seiner 15 Jahre jüngeren Ehefrau sogar einen Tennisplatz neben dem Anwesen. Von ihrem Ehemann hatte er sie für viel Geld „freigekauft“. Trotzdem wurde die 1907 geschlossene Ehe nicht glücklich und bereits 1911 geschieden. Seine große Liebe blieb zeitlebens Maidi von Liebermann, die ihn nicht heiratete, aber das Anwesen „Auf der Tuften 12“ bis zu ihrem Tod 1971 erhielt und der Stadt München als Stiftung vermachte.

Ludwig Thoma Haus für Veranstaltungen geöffnet

Nach drei Jahren wurde das Ludwig Thoma Haus nun wiedereröffnet und für besondere Veranstaltungen frei gegeben. Klaus Wittmann und Gäste wie etwa der Eibl Sepp können Veranstaltungen organisieren und durchführen. Ansonsten bleibt das Haus geschlossen. Nützen Sie deshalb die Angebote, um das einzigartige Haus besichtigen zu können.

Klaus Wittmann liest am 17.06.2023 die „Lausbaubengeschichten“ von Ludwig Thoma, begleitet von Roland Metzner an der Zither. Am 14.10.2023 liest Klaus Wittmann „Agricola – die Bauerngeschichten“ von Ludwig Thoma, begleitet von der Grobenbach Musi.
Am 02.12.2023 gibt es den „Advent auf der Tuftn“ mit dem Seeleiten Dreigesang. Beginn ist jeweils um 15.00 Uhr. Dauer 90 Minuten.
Tickets erhalten Sie bei allen Vorverkaufsstellen von MünchenTicket sowie bei allen angeschlossenen Verkaufsstellen im Tegernseer Tal.

Zum Weiterlesen: Vom Schmalzer Hans und anderen Originalen

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