„Bravo“ für Vaterfreuden wider Willen

Die neue Komödie „Vaterfreuden wider Willen“ begeisterte das Premierenpublikum des Tegernseer Volkstheaters. Foto: Selina Benda

Premiere Tegernseer Volkstheater

Haben Sie schon lange nicht mehr aus vollem Halse gelacht, bis die Tränen in die Augen schossen? Dann sollten Sie sich das neue Stück des Tegernseer Volkstheaters nicht entgehen lassen. Denn was das Ensemble um Andreas Kern mit „Vaterfreuden wider Willen“ auf die Bühne bringt, gleicht einem Feuerwerk der komödiantischen Schauspielkunst.

Es sei „mal wieder was anderes“ gewesen, ein zeitgenössisches Stück zu spielen, sagte Andreas Kern am Ende der Premiere der Komödie am vergangenen Samstag. Er selbst hat das Stück wieder geschrieben und stand als Seniorchef der Uhrenfirma „Unruh“ mit auf der Bühne. Was sich dort in den kurzweiligen drei Akten abspielte, brachte das Publikum des vollbesetzten Volkstheaters zum Toben.

Unruhen in der Firma „Unruh“

Nun aber von Anfang an: Ferdinand Unruh ist Inhaber der Uhrenfirma „Unruh“, welche seit mittlerweile 125 Jahren mechanisch betriebene Chronometer herstellt. Seit dem Tod seiner Frau vor 20 Jahren gehört die Hälfte der Firma zu gleichen Teilen seinen zwei Kindern, seiner Tochter Desiree (Julia Strohschneider) und seinem Sohn Benjamin (Michael Reichenwallner). Während die Tochter den Vertrieb managt, kümmert sich der Sohn um die Leitung der Produktion und hat dabei auch die Zahlen der Firma stets im Blick. Und diese gingen seit einiger Zeit, vor allem seit die aufstrebende Schweizer Konkurrenz den Markt aufmischt, eher in die negative Richtung.


Seniorchef Unruh, gespielt von Andreas Kern (l.), traut Lars-Heiko Steinhöchtl (Hubert Gröbmair) nicht. Foto: SB

Um diesen Trend umzukehren, stellt er Lars-Heiko Staudenhöchtl (Hubert Gröbmair) ein, der die damit ebenfalls neu entstandene Entwicklungsabteilung der Firma „Unruh“ leitet. Dessen Devise: alles neu und modern und die Umstellung vom mechanischen auf ein quarzbetriebenes Uhrwerk. Damit und mit seiner undurchsichtigen Art und Weise ist „der Staudenwichtl“ – wie er von Ferdinand Unruh stets genannt wird – dem Seniorchef von Beginn an ein Dorn im Auge.


Die neue Marketingleiterin Felizitas Grob (Nicola Pendelin) (r.) wird vom Seniorchef eingestellt. Foto: SB

Dieser ist nämlich fest davon überzeugt, dass das fehlende Marketing schuld an den Umsatzeinbußen ist. Durch Zufall lernt er auf dem Golfplatz eine äußert attraktive Werbefrau kennen. Er stellt Felizitas Grob (Nicola Pendelin) kurzerhand als Marketingleiterin ein, ohne darüber mit seinen Kindern zu sprechen. Als alle Beteiligten eines Tages im Büro des Chefs aufeinandertreffen, nimmt das Drama seinen Lauf. Mittendrin Jürgen Gorzinski (Flo Rian Bauer), der Privatsekretär des Seniorchefs, welcher immer wieder zwischen die Fronten der einzelnen Parteien gerät.

Das Ensemble glänzt gekonnt

Was Flo Rian Bauer in seiner Rolle als loyal ergebener und naiver Sekretär in den zwei Stunden auf die Bühne zaubert, ist kaum in Worte zu fassen. Die findet man zwischen den vielen Lachern, die er schon anhand seiner Mimik und Gestik heraufbeschwört auch gar nicht. Wer so viel zu sagen hat, ohne ein Wort zu sprechen, ist wirklich ein Meister seines Fachs.


Hatte als Jürgen Gorzinski mehrmals die Lacher auf seiner Seite: Flo Rian Bauer. Foto: SB

Flo Rian Bauer ist Jürgen Gorzinski, mit Leib und Seele, in jeder Sekunde des Stücks. Ob er nun dienstbeflissen seinen Chef über alle Vorgänge in der Firma informiert oder dessen nächsten Schritt schon vorausahnt – es gibt keinen Moment, in welchem ihm das Publikum seine Rolle nicht zu einhundert Prozent abkauft und diese Leistung auch mit einigen Zwischenapplausen und lautstarken Lachern quittiert.

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Überhaupt glänzt das neue Stück aus Andreas Kerns Feder mit seinen ausdrucksstarken Zwischentönen, welche von den einzelnen Schauspielern brillant umgesetzt werden. Seien es die kleinen Frotzeleien zwischen Vater und Sohn oder das geflirte zwischen Seniorchef und Marketingdame. In „Vater wider Willen“ jagt eine gekonnt gesetzte Pointe die nächste, ohne dabei zu plump einen Lacher zu provozieren.

Vaterfreuden wider Willen

Die angespannte Stimmung in dem Familienunternehmen „Unruh“ spitzt sich so zu, dass der zwielichtige Entwicklungsleiter seine Chance wittert. Er unterwandert unbemerkt die beiden Kinder und redet ihnen ein, ihr Vater müsse für eine gewisse Zeit verschwinden, damit sie die Geschäfte in die Hände und damit die Firma wieder auf Kurs bringen könnten. Leichtgläubig wie sie sind, lassen sie sich auf diesen Vorschlag ein und buchen dem Vater einen vierzehntägigen Golftrip durch Südafrika. Der scheint zunächst gar nicht begeistert von der Idee, lässt sich jedoch von seiner Tochter bezirzen und tritt schon am nächsten Tag die Reise an.


Als Hausmeister verkleidet, versucht Unruh Senior den Spitzel zu stellen. Foto: SB

Vermeintlich, wie sich kurz darauf herausstellt. Denn mit Hilfe seines untergebenen Sekretärs kommt Ferdinand Unruh unbemerkt zurück in die Firma, um dort inkognito den nebulösen Machenschaften des „Staudenwichtl“ auf die Schliche zu kommen. Das gelingt ihm als verkleideter Hausmeister, der sich als Justus, Onkel von Jürgen Gorzinski, ausgibt. Doch nicht nur dem doppelten Spiel des Entwicklungsleiters kommt er dabei auf die Schliche, er erkennt auch, dass er seine Kinder wohl bisher recht ungleich behandelt und auch damit den Groll des eigenen Sohnes auf sich gezogen hat. Was er ebenfalls bemerkt, ist die absolute Loyalität von Frau Grob und seine wahren Gefühle für sie.


Am Ende wird alles gut. Foto: SB

Bravo für diese Komödie

Humorvolle Wortwechsel, gekonnt pointierte Dialoge und eine, nicht neue, aber neu erfundene Geschichte über Querelen in einem Familienunternehmen und ein äußerst stark besetztes Ensemble zeichnen das Stück „Vaterfreuden wider Willen“ des Tegernseer Volkstheaters aus. Mit minutenlangem Applaus, Bravorufen und sogar wohlwollendem Gestampfe bedankte sich das Premierenpublikum bei den Theaterspielern für diese gelungene Komödie. „Sie waren seit langer Zeit das tollste Publikum und es hat einen Riesenspaß gemacht, für Sie zu spielen“, bedankte sich Andreas Kern wiederum.

Gleich zwei Jubiläen

Dass nicht nur die fiktive Firma „Unruh“ ihr 125-jähriges Bestehen, sondern auch das Tegernseer Volkstheater in diesem Jahr Jubiläum feiert, sei etwas ganz Besonderes, erklärte der Theaterleiter. Dies würde ab dem 8. August 2023 mit dem Jubiläumsstück „Der böse Geist des Lumpazi-vagabundus“ von Johann Nestroy gefeiert, kündigte er an.


Andreas Kern (l.) holt „Lumpazi-vagabundus“ an den Tegernsee. Foto: SB

Die Zauberposse wurde am 11. April 1833 im Theater in Wien uraufgeführt und erhält in seiner Neuauflage am Tegernsee unter der Regie von Steffi Baier bestimmt eine eindringliche Färbung durch Andreas Kerns Einfluss. Fünfmal wird das Jubiläumstheater Open Air im Kurgarten Tegernsee aufgeführt, bevor es bis Oktober im Tegernseer Volkstheater zu sehen sein wird. Unter anderem bekleiden die beiden bekannten Schauspieler Bernd Helfrich und Werner Rom Gastrollen in dem berühmten Stück.

Wer sich zuvor aber noch „Vaterfreuden wider Willen“ ansehen möchte, ja sogar sollte, kann dies noch bis Juli 2023 tun (15.4, 21.4, 29.4, 5.5., 14.5, 27.5, 23.6, 8.7, 15.7 und 21.7). Karten gibt es im Vorverkauf in der Tourist-Info Tegernsee, München Ticket sowie beim Kartentelefon des Tegernseer Volkstheaters unter 08036/7143. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.tegernseer-volkstheater.de.

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