Ein Hoch auf die Wirkstatt

Mitglieder der Wirkstatt Oberland e.V. beim Bäume pflanzen Foto: Beatrice Kurowski

Geburtstag der Wirkstatt Oberland e.V.

Was vor fünf Jahren als kleiner Versuchsgarten begann, wächst und gedeiht mittlerweile kräftig. „Ideen säen, pragmatisch handeln – Nachhaltigkeit im Landkreis Miesbach“ ist das Motto des Vereins Wirkstatt Oberland e.V. Zahlreiche Projekte wurden ins Leben gerufen und umgesetzt, und alle haben etwas gemeinsam.

MiaschBurger, Breznbeutel, Verschenkregal, Foodsaving, SoLaWi, Obst ernten…die Liste der Wirkstatt-Projekte ist lang. Anschi Hacklinger und Lea Sabaß, die beiden Vorsitzenden des Vereins, vergleichen die Wirkstatt gerne mit einem Garten, in dem die verschiedenen Projekte wachsen. Manche „Projektpflanzen“ sind aufwendiger, da braucht‘s viel Gießen, Düngen und sich kümmern, manche wachsen quasi von selbst.


Foodsavingkiste Foto: Anschi Hacklinger

Wirkstattprojekte sind gerne kreativ, innovativ, unkonventionell und ohne moralisch-missionarischen Anspruch. „Wir laden ein, etwas anders als bisher zu machen. Und oft stellen die Leute dann fest, dass es nicht schwierig ist, sondern sogar gut schmeckt, gut tut, Spaß macht und den Horizont erweitert. Wir schubsen quasi an, den Suppentellerrand zu erklimmen, ein bisschen rauszuschauen und zeigen Alternativen auf zum bis dato gewohnten Handeln“, so Anschi Hacklinger.

Und wie im richtigen Garten gibt’s auch jahreszeitliche Veränderungen und sowieso ist jedes Jahr unterschiedlich, je nachdem, wer sich gerade engagiert und welche Themen anstehen. Das Verschenkregal in der Mehrzweckhalle Weyarn ist ein Klassiker und läuft von selbst. Eine Premiere gab es diesen Sommer mit der Radl-Kultour in Zusammenarbeit mit dem ADFC.

Aktueller denn je – Breznbeutel und Foodsaving

Von Anfang an gab es die Idee der Breznbeutel – kleine Sackerl aus Upcyclingstoffen gegen Ressourcenverschwendung. Für Papierherstellung wird extrem viel Energie verbraucht. Im Falle der Bäckertüten ist das eine enorme Verschwendung, da sie nur kurze Zeit verwendet werden und dann im Müll landen. Also schubsen die Wirkstattler immer wieder Kampagnen an, um darauf aufmerksam zu machen. In Zeiten der Energiekrise zeigt sich die Notwendigkeit noch deutlicher, manche Gewohnheiten in Frage zu stellen.

Wirkstatt Oberland e.V.
Breznbeutelkampagne Plakat: Lisa Pause

Zu einem festen Bestandteil wurde das Foodsaving im Weyarner Edeka. Hier wird dreimal pro Woche Obst und Gemüse abgeholt, das sonst im Müll landen würde. Hochgerechnet wurden mittlerweile rund 2 Tonnen Lebensmittel gerettet. Da sich acht Frauen die Arbeit teilen, ist der Aufwand überschaubar und wäre problemlos auf andere Orte übertragbar, wenn sich denn genügend Freiwillige finden.

Nachmachen erwünscht

Auch das ist ein Prinzip der Wirkstatt – „wir freuen uns über Nachahmer und unterstützen gerne mit Know-How“, so Lea Sabaß. Immerhin im Landkreis selbst funktioniert das Prinzip, es gibt mittlerweile eine Dependance in Kreuth.

Lena Mehringer und Livia Keller wollten dort gerne etwas in Richtung Nachhaltigkeit initiieren, aber sinnvollerweise nicht viele Kilometer mit dem Auto fahren, um an den Treffen teilzunehmen. Neben Breznbeuteln stellten die beiden Mütter im Coronafasching eine ganz eigene Idee auf die Füße: Einen Wettbewerb für selbstgebastelte Faschingskostüme. Keine Billigware aus China, sondern selbstkreierte Werke aus Kartons, Bettwäsche und alten Stoffen war gefragt. Knapp 40 Einsendungen gingen ein, geniale Ideen, denen man den Spaß beim Basteln ansah.

MiaschBurger und Heimatunternehmen

Ein Klassiker unter den Wirkstattaktionen ist der MiaschBurger. Legendär war der Wettbewerb, als die sechsköpfige Jury dreizehn verschiedene Burger testen und bewerten musste. Auch wenn es „nur“ viertelte Burger waren, der Bedarf an Burgern war bei den Jurymitgliedern danach erstmal gedeckt…

Lesetipp: Beste Miaschburger im Oberland

Mit dem MiaschBurger begann auch die enge Zusammenarbeit mit Bernhard Wolf und Andrea Brenner vom machtSINN, Regionalbistro in Holzkirchen. Der vegetarische Burger wurde zum professionellsten Projekt der Wirkstatt und wächst langsam, aber beständig weiter.


MiaschBurgerstand am Kulinarischen Abend in Miesbach, August 2022. Foto: Kathi Rummel

Entscheidend war dabei auch die Kooperation mit dem Projekt „Heimatunternehmen“ vom Amt für Ländliche Entwicklung. Anschi Hacklinger wurde diese Vernetzungsstelle angetragen und unterstützt seither als Heimatentwicklerin im Landkreis Miesbach und darüber hinaus unternehmerische Menschen im Heimatunternehmen Oberland.

Der MiaschBurger steht beispielhaft dafür, er ist ein Bindeglied im Netzwerk und best practice Beispiel für die Umsetzung einer innovativen, unkonventionellen Idee, die Resonanz in ganz Bayern findet.

Ein Apfelbaum zum Geburtstag

Gegründet wurde das Forum für Nachhaltigkeit von Monika Ziegler, Girgl Ertl und Anschi Hacklinger 2017 im Rahmen der KulturVision-Reihe „anders wachsen“. Seit gut zwei Jahren ist die Wirkstatt ein eigener, gemeinnütziger Verein. Jeder kann Mitglied werden und die Arbeit finanziell oder durch tatkräftiges Engagement unterstützen.

Wirkstatt Oberland e.V.
Gründertrio Monika Ziegler, Anschi Hacklinger und Girgl Ertl (v.l.). Foto: Jana Heenen

Zum 5. Geburtstag wurde nun symbolisch ein Baum im neuen Waldgarten von Heimatunternehmerin Jana Heenen eingesetzt, der gerade angelegt wird. Mit Hilfe der Wirkstattler wurden noch jede Menge weitere Kornellkirschbäume, Wildpflaumen, Birnbaum, Haselnuss-, Johannisbeersträucher uvm. angepflanzt. Die Wirkstatt wählte für sich – wie könnte es anders sein – ein Apfelbaum aus. Auf dass er auch in den nächsten Jahren viele Früchte tragen möge.

Die Wirkstatt Oberland e.V. ist seit 2020 ein eigener gemeinnütziger Verein und freut sich sowohl über Fördermitglieder als auch über tatkräftige Mitstreiter aus dem ganzen Landkreis. Mitmachen kann jeder nach dem individuellen Zeitbudget, einmalige Aktionen oder auch regelmäßig. Die Gruppe trifft sich normalerweise am 3. Donnerstag des Monats an wechselnden Orten (siehe Homepage). Der Jahresbeitrag beträgt 15.-, Mitgliederanträge gibt es hier.

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