
Faszination des Gesangs und der rote Faden der Liebe
Gemeinsamer Abschluss: v.l.n.r.: Rusnė Tušlaitė, Beatriz Maia, Alina Berit Göke, Julia Schneider, Madeleine Shari Wulff und Tatsuki Sakamoto. Foto: MV
Konzert in Tegernsee
Der Oper, der Operette und dem Musical war diese Veranstaltung des „Podium für junge Solisten“ gewidmet. Sieben ausgewählte Studierende des Masterstudiengangs Musiktheater-Operngesang der Theaterakademie August Everding aus München boten aus den drei Genres einige der schönsten Arien und Lieder, die sich natürlich mit der Liebe in zahlreichen Facetten befassen.
Die jungen Sängerinnen der Stimmlagen Sopran und Mezzosopran und der Bassist gaben eine beeindruckende Vorstellung ihres sängerischen wie schauspielerischen Könnens. Unterstützt wurden sie von drei Pianisten, die sie abwechselnd begleiteten: Csiszka Rédai, Nathan Harris und Joachim Tschiedel.
Belcanto
Mit der forschen Arie der Marie „Chacun le sait“ aus „La Fille du Régiment“ von Gaetano Donizetti trat die aus Portugal stammende Sopranistin Beatriz Maia auf. Die von der Universität von Aveiro kommende Sängerin personifizierte die kesse Marketenderin des französischen 21. Regiments temperamentvoll und leidenschaftlich und lobte deren Soldaten mit virtuosem Gesang.
Argentina
Die Mezzosopranistin Madeleine Shari Wulff aus Lennestadt im Sauerland interpretierte die femme fatale der Vorstadt aus „María de Buenos Aires“ von Piazzolla im Tango „Yo soy María“. Überschwänglich und ironisch, mit der richtigen Portion Zynismus, singt Maria von den Männern, die ihr in die Liebesfalle gehen.

Madeleine Shari Wulff, Mezzosopran, am Flügel: Joachim Tschiedel. Foto: MV
Spätromantik pur
Kräftig und voll erklang die Simme der Sopranistin Viktoria Matt im „Lied an den Mond“ „Měsíčku na nebi hlubokém“. In dieser Arie der Rusalka aus „Rusalka“ von Antonin Dvorak ließ die junge Sängerin gemeinsam mit ihrer Begleiterin spätromantischen Zauber aufkommen. Der Mond sieht doch alles vom Himmelszelt aus: Wald und Feld und die Menschen. In der Sehnsucht nach Liebe singt Rusalka den Trabanten an, er soll ihr verraten, wo sich ihr Liebster befindet und ihm hell leuchten, ihm sagen, dass sie ihn liebt.

Viktoria Matt, Sopran, am Flügel: Csinszka Rédai. Foto: MV
Feuriges Spanien
Die junge Mezzosopranistin Alina Berit Göke aus Köln wartete mit der bekannten Habanera „L’amour est un oiseau rebelle“ aus Georges Bizets „Carmen“ auf. In dieser Szene kommt Carmen als letzte der Arbeiterinnen der Zigarrenfabrik ins Freie, die Soldaten der Garnison umschwärmen die Frauen. Forsch und verführerisch stimmte Alina Berit Göke die Habanera an: „Die Liebe ist ein wilder Vogel, gleicht Zigeunerart, und lieb ich Dich, nimm dich in Acht.“
Die Münchner Mezzosopranistin Julia Schneider bot die nächste berühmte Arie aus Carmen, die Seguidilla. Sie tauchte in die Figur der Carmen ein und besang Josè mit verführerischen Aussagen und Versprechungen, um ihn dazu zu bringen, sie aus den Fesseln des Arrests zu befreien.
Nardos Liebesfrust
Der Bassist Tatsuki Sakamoto aus Japan sang mit Bravour die Arie des Nardo aus „La finta giardiniera“ von Wolfgang Amadeus Mozart, „A forza di martello“. Nardo, der Gärtner, eigentlich Diener der Marchesa als Roberto, singt, dass man zwar Eisen und Marmor mit Hämmern und Meißeln bearbeiten kann, das Herz einer Frau aber nicht zu zähmen und umzustimmen ist.

Betörung
Beeindruckend gestaltete Alina Berit Göke „Mon coeur s’ouvre à ta voix“, die Arie der Dalila aus „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns. Gekonnt den Melodiebögen folgend und mit wandlungsfähiger, flexibler Stimme ließ sie Dalilas Liebeslied an Samson erklingen.
Liebe auf den ersten Blick
Die Szene der Begegnung zwischen Frederic und Mabel aus „The Pirates of Penzance“ von Arthur Sullivan bot die litauische Sopranistin Rusnė Tušlaitė. Nach seiner Lehrzeit bei den Piraten will der nun 21jährige Frederic fort. Mit seinem Kindermädchen Ruth an Land gegangen, bitten sie eine Gruppe junger Mädchen um Hilfe. Nur eine, Mabel, will helfen. Und um Mabel und Frederic ist es geschehen. Eindringlich und tröstend gestaltete Rusnė Tušlaitė „Poor wandering one“, die Arie der Mabel.

Rusnė Tušlaitė, Sopran, am Flügel: Csinszka Rédai. Foto: MV
Makabrer Humor
Madeleine Shari Wulff gab sich wieder der Rolle der selbstbewussten und leicht verruchten Frau hin. Georg Kreislers Lied „Geben Sie acht!“ wurde mit ihr eine packende, ausdrucksstarke Nummer schwarzen, skurrilen Humors.
Tödlicher Liebeskummer
Nur in der Sehnsucht nach Reinheit und Erlösung, dem Tod, sieht Ariadne einen Ausweg aus ihrem Liebeskummer. Viktoria Matt sang „Es gibt ein Reich“ aus „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss mit Eindringlichkeit und Überzeugung.
Barcarole
Die Barcarole des Nicklausse und der Giulietta aus „Hoffmans Erzählungen“ von Jaques Offenbach „Schöne Nacht, o Nacht der Liebe, lächle über unsern Rausch, die Zeit vergeht wie im Fluge“, sangen wiegend und betörend Julia Schneider und Rusnė Tušlaitė.
Schauspielkunst mit Augenzwinkern
Im „Schwipslied“ aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß‘ Verkleidungs- und Verwechslungskomödie zwischen zwei Ständen, glänzte Julia Schneider. Gekonnt gab sie die angetrunkene, lustig schwankende und leicht verwirrte Annina mit tadelloser Gestik, Mimik und Diktion. „Mir ist auf einmal so eigen zumute, irgendwas prickelt und kitzelt im Blute, irgendwas trägt mich weit weg in die Seligkeit.“
Das Land der Sehnsucht, des Glücks und der Hoffnung besang Madeleine Shari Wulff verträumt in „Youkali“, Lied im Stil eines rumänischen Tangos aus „Marie Galante“ von Kurt Weill.
Idealismus
Stimmgewaltig interpretierte Tatsuki Sakamoto „To dream the impossible dream“, Song des Don Quichotte aus „The man of La Mancha“ von Mitch Leigh. Mit Überzeugung traf er den heroischen, idealistischen Charakter der Musical-Ballade, zeigte klangstark Don Quijotes Sehnsucht alles Unrecht wiedergutzumachen, so schwer es auch sein möge.
Aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein erklang Marias Song „There’s a place for us“ warm und geschmeidig von Beatriz Maia gesungen. Die rivalisierenden Gangs zugehörigen Tom und Maria verlieben sich und kämpfen um ihr Glück, um einen Platz für sich.
Wiener Charme
Rusnė Tušlaitė bot mit „Was in der Welt geschieht“, die Arie der Fedora aus „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán. Vergnügt und genüsslich besang sie Irrungen und Wirrungen der Liebe: „…sicher hat der Teufel die Liebe erfunden… die uns bei Tag und Nacht so viel Kummer macht.“
Gemeinsamer Abschluss
Mit Viktoria Matt auf der Bühne und Rusnė Tušlaitė, Beatriz Maia, Alina Berit Göke, Julia Schneider, Madeleine Shari Wulff und Tatsuki Sakamoto als Chor vom Eingang zum Barocksaal aus, gaben sich die jungen Sängerinnen und Sänger dem Lied der Hanna Glawari aus „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár hin, „Es lebt eine Vilja, ein Waldmägdelein“.

V.l.n.r. : Joachim Tschiedel, Nathan Harris, Csinszka Rédai, Tatsuki Sakamoto, Madeleine Shari Wulff, Julia Schneider, Alina Berit Göke, Rusnė Tušlaitė, Beatriz Maia und Viktoria Matt. Foto: MV
Die Sangeskunst der jungen Musiker und Musikerinnen überzeugte und erfreute den ganzen facettenreichen, abwechslungsreichen Abend hindurch und besonderen Applaus erntete die gemeinsame Schlussnummer.
Zum Weiterlesen: Festival der ARD-Preisträger